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    MPU ohne Abstinenznachweis

    Wann ist das möglich?

    MPU ohne Abstinenznachweis bestehen: Alle Voraussetzungen, Richtlinien und Tipps, wann ein Abstinenztest nötig ist – und wann nicht.

    Kann man eine MPU ohne Abstinenznachweis bestehen?

    Ja, es ist möglich, die MPU ohne einen Abstinenznachweis zu bestehen, aber nur in bestimmten, weniger schwerwiegenden Fällen. Der Abstinenznachweis (Chemisch-Toxikologische Untersuchung, CTU) ist bei schwerwiegender Alkohol- oder Drogenproblematik zwingend erforderlich, um dem Gutachter zu zeigen, dass dauerhaft keine Substanzen mehr konsumiert werden.

    Wichtig:

    Der Gutachter entscheidet letztlich während der MPU, ob und wie lange ein Nachweis gefordert wird. Aber es gibt Richtlinien, an die sich die Gutachter häufig halten, die wir dir im Folgenden vorstellen.

    Wann ist Abstinenz zwingend erforderlich?

    Wenn der Gutachter dich in eine der folgenden Kategorien (Hypothesen) einstuft, ist eine Abstinenz zwingend notwendig und muss lückenlos nachgewiesen werden.

    1. Alkoholabhängigkeit (A1-Hypothese)

    Hier ist so gut wie immer ein 12-monatiger Abstinenznachweis erforderlich.

    2. Schädlicher Alkoholkonsum/Missbrauch (A2-Hypothese)

    In der Regel sind hier 6 bis 12 Monate Abstinenz nötig. Dies gilt auch bei mehrmaligen Alkoholfahrten oder einem Promillewert von über 1,6 ‰.

    3. Illegale („harte") Drogen

    Wenn Sie illegale Drogen (wie Kokain oder Meth) konsumiert haben, ist fast immer ein 15-monatiger Abstinenztest erforderlich, oft auch unabhängig von der Konsumhäufigkeit.

    4. Drogenabhängigkeit (D1-Hypothese)

    Ein Drogenverzicht und Langzeitnachweise (mindestens 12 Monate) sind zwingend erforderlich.

    Wann kann man die MPU ohne Abstinenznachweis bestehen?

    Wenn der Grund für die MPU eine Alkoholgefährdung (A3-Hypothese) ist, kann die Abstinenzpflicht entfallen.

    Bei einer erstmaligen Auffälligkeit im Straßenverkehr mit einem Promillewert unter 1,6 ‰ und ohne Hinweise auf Sucht oder Missbrauch (A1 oder A2) ist eine dauerhafte Abstinenz nicht zwingend erforderlich. Stattdessen musst du glaubhaft darlegen, wie du Alkoholkonsum und Straßenverkehr voneinander trennst. Im Gespräch mit dem Gutachter solltest du zeigen, dass du dein Konsumverhalten bewusst steuerst und Risikosituationen vermeidest. (Zur Vorbereitung findest du ein paar Fragen auf der Seite Die häufigsten MPU Fragen.)

    Ähnliches gilt für den gelegentlichen Cannabiskonsum (D3-Hypothese).

    Finde heraus, welche Hypothese auf dich zutrifft

    Mit unserem Hypothesenfinder in der App kannst du besser einschätzen, ob du einen Abstinenznachweis benötigst und wie du dich optimal vorbereitest.

    Tipp:

    Auch ohne Abstinenzpflicht ist es sinnvoll, dem Gutachter einen Nachweis von mindestens 3 Monaten Abstinenz durch Urintests oder Haarproben nachzuweisen. Das zeigt, dass du motiviert bist und für diese Zeit auf den Konsum verzichten kannst.

    Vorsicht vor Anbietern, die eine bestandene MPU ohne Abstinenz garantieren

    Lass dich nicht von Versprechen wie „100 % Bestehensgarantie" täuschen – solche Angebote sind meist Abzocke. Kein seriöser Anbieter kann das Ergebnis einer MPU garantieren, denn die Entscheidung liegt immer beim unabhängigen Gutachter. Am Ende zahlst du für deine MPU doppelt.

    Mehr Details zu den Kosten einer MPU findest du auf der Seite MPU Kosten.

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